Fußball-WM wird zum Umsatz-Booster

In Brasilien versuchen Jogi Löw und seine Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft den lang ersehnten Titel nach Deutschland zu holen. Wenn Million Fans weltweit vor den heimischen Fernsehern oder bei Public Viewing-Veranstaltungen Fangesänge anstimmen, freuen sich andernorts Unternehmer. Nach den Olympischen Spielen ist die Fußball-Weltmeisterschaft die größte Sportveranstaltung der Welt und dementsprechend ein wahrer Umsatz-Booster.

 

Als Hauptsponsor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hofft vor allem der Sportartikel-Hersteller adidas auf ein großes Umsatz-Plus durch die Fußball-Weltmeisterschaft. Rückblickend betrachtete adidas-Chef Herbert Hainer das Jahr 2013 als gut und solide. Begeisterungsstürme blieben jedoch nicht nur bei ihm, sondern auch auf Seiten der Aktionäre aus. Der Grund: Vor allem aufgrund des Wertverfalls der Währungen und des gleichzeitig starken Euros sank der Umsatz erstmals seit 2009 wieder. Vor allem in Ländern wie Russland und Japan, wichtige Absatzmärkte der adidas AG, verlor die jeweilige Währung gegenüber dem Euro an Wert. Das reduzierte die erzielten Einnahmen erheblich. Vor und während der Fußball-WM hofft die adidas AG als offizieller Partner, Ausrüster und Lizenznehmer für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaften nun vor allem auf einen großen Absatz von Trikots und Schuhe. Als größter Konkurrent hofft Weltmarktführer Nike ebenfalls auf den WM-Booster.

 

Doch nicht nur die beiden größten Sportartikelhersteller setzen in Sachen Umsatzplus auf die WM. Elektronikhersteller hatten durch die insgesamt hohe Sättigung an Unterhaltungselektronik im vergangenen Jahr teils große Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. Durch den vor der WM stark ansteigenden Bedarf an TV-Geräten mit großen Bildschirmdiagonalen haben Grundig und Co. nun die berechtigte Hoffnung auf ein Umsatz-Plus. Insbesondere der japanische Hersteller Sony darf sich erfahrungsgemäß vor Beginn von großen Sportereignissen auf eine erhebliche Umsatzsteigerung freuen.

 

Freuen ist bereits seit Monaten auch das Stichwort in der Tourismusbranche, vor allem bei den großen Reiseanbietern. So wähnt sich unter anderem die TUI AG als eine der führenden europäischen Tourismuskonzerne derzeit im WM-Fieber. Zahlreiche deutsche Fußball-Anhänger haben sich Tickets für die WM gesichert und kombinieren ihre Fußball-Leidenschaft mit einem Sommerurlaub am Zuckerhut. In einem Land, das auch für seine Favelas und der damit verbundenen Kriminalität bekannt ist, setzten viele Deutsche auf den klassischen Pauschalurlaub – gebucht im heimischen Reisebüro oder per Internet. TUI und Co. freuen sich.

 

Die Vermutung liegt nahe, dass sich auch die Getränkeindustrie zu den großen Gewinnern im WM-Jahr zählen darf. Ob beim Public Viewing oder mit Freunden im eigenen Wohnzimmer – das kühle Blonde aus dem Zapfhahn oder der Bierkasten vom nächsten Supermarkt ist ebenso Teil der Fußball-Welt wie der massenhafte Konsum von Softgetränken. Mit den Rechten an rund 500 verschiedenen Marken hofft vor allem Coca Cola auf ein enormes Umsatzplus. Für sein starkes Marketing ist Coca Cola bereits seit Jahren bekannt. Der Getränkehersteller sorgt seit Monaten mit der großen WM-Kampagne „WM, das sind wir alle“ bei Fußball-Fans für WM-Stimmung und holte die begehrte WM-Trophäe unter anderem Ende März im Rahmen der FIFA World Cup Trophy Tour nach Deutschland.

 

Ob Löw und Co. Mitte Juli die Trophäe wieder nach Deutschland zurückbringen, bleibt abzuwarten. Feststeht: Ob mit oder ohne deutscher Finalteilnahme – zahlreiche Unternehmen freuen sich bereits jetzt über und auf die WM.