Monatsende- Sorgt der Wegfall von Studiengebühren für mehr Anziehungskraft?

Das Brot ist so gut wie aufgebraucht, das Wasser aus dem Hahn schmeckt nach Eisen und von wilden Partynächten sind die meisten Studenten so weit entfernt wie Lothar Matthäus von der Wirklichkeit. Studenten wird nachgesagt, sie seien faul. Das Studium an sich dient eigentlich nur als Futter für das eigene Gewissen. Am Abend wird gefeiert, am Morgen die nächste Vorlesung verschlafen. Ein Bild, das vielleicht in einigen Fällen stimmen mag, aber nicht unbedingt als allgemeingültig durchgeht. Vor allem nicht für Studenten in Niedersachsen. Satte 500 Euro Studiengebühren wurden bis zuletzt pro Semester fällig. Dazu kommt der Semesterbeitrag in Höhe von 345 Euro. 845 Euro sind also zu entrichten und das zweimal im Jahr (!). Als letztes Bundesland deutschlandweit wurden in Niedersachsen im vergangenen Wintersemester noch allgemeine Studiengebühren erhoben.

 

Kein Wunder also, dass Niedersachsens Studenten eher an gut bezahlten Nebenjobs statt wilden Partynächten gelegen ist. Doch vielleicht ändert sich das bald wieder. Zum kommenden Wintersemester gehören die Studiengebühren in Höhe von 500 Euro nämlich der Vergangenheit an. Damit löste die rot-grüne Landesregierung unter der Führung von Ministerpräsident Stephan Weil ihr Wahlversprechen ein. Statt 845 Euro müssen Studenten in Niedersachsen künftig „nur“ noch den Semesterbeitrag in Höhe von 345 Euro aufbringen.

 

Vielleicht ist das ein guter Grund für einige Abiturienten sich für Niedersachsen als Region zu entscheiden, wenn es um die Studienplatzwahl geht. Möglichkeiten, das eigene Wunschstudium im flächenmäßig zweitgrößten Bundesland Deutschlands zu absolvieren, gibt es genug. Insgesamt sind 14 Universitäten in Niedersachsen angesiedelt. Neben der Leibniz-Universität im Zentrum von Hannover bietet die Landeshauptstadt mit der Medizinischen Hochschule einen renommierten Anlaufpunkt für alle angehenden Ärzte. Auch die Tierärztliche Hochschule und die Niedersächsische Technische Hochschule, eine Allianz der Technischen Universität Braunschweig, der Technischen Universität Clausthal und der Leibniz Universität Hannover, genießen deutschlandweit einen guten Ruf.

 

Wer Interesse an einer Zukunft als Lehrer hat, sollte sich das Profil der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg einmal genauer anschauen. Die staatliche Universität bietet alle Lehrämter an und genießt bereits seit Ende der 70er Jahre einen sehr guten Ruf auf diesem Gebiet. Deutschlandweit einzigartig ist hingegen der Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der Universität Hildesheim. Vorher muss jedoch ein zweistufiges Bewerbungsverfahren überstanden werden. Die älteste und mit knapp 27000 eingeschriebenen Studenten auch größte Universität Niedersachsens ist die Georg-August-Universität in Göttingen. Nach der Ludwig-Maximilians-Universität ist die Uni Göttingen die weltweit am besten eingestufte Universität aus Deutschland und rangiert im aktuellen Ranking der Times Higher Educations weltweit auf Rang 63. Als Volluniversität bietet die Universität eine große Auswahl an Studienfächer. Vor allem die Juristische Fakultät sowie die Fächer der Philosophischen Fakultät genießen einen guten Ruf.

 

Wer sich mehr der Praxis hingezogen fühlt und daher ein Studium an einer Hochschule bevorzugt, hat ebenfalls eine große Auswahl in Niedersachsen. Die Hochschule Hannover mit ihren insgesamt fünf Fakultäten ist vor allem für angehende Fotojournalisten das Non-Plus-Ultra. Nur in der Messestadt wird der Studiengang Fotojournalismus angeboten. Regelmäßig gewinnen Studenten dieses Studienganges renommierte internationale Fotopreise. Das Auswahlverfahren ist dementsprechend hart. Die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften mit Standorten in Wolfsburg, Salzgitter, Suderburg und Wolfenbüttel hingegen versorgt das Techniker-Herz, während die Jade Hochschule in Wilhelmshaven allein schon aufgrund ihrer sensationellen Lage an der Nordsee zu überzeugen weiß. Vor allem Wasserratten sollten sich an der Hochschule mit maritimen Schwerpunkt wohlfühlen. Wer es zwar ebenfalls praktisch, aber mehr künstlerisch mag, ist gut an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig oder der Hochschule für Musik, Medien und Theater in Hannover aufgehoben.

 

Insgesamt stehen in Niedersachsen 17 staatliche und zwölf private Hochschulen sowie deren angebotene Fächer zur Auswahl. Wer sich allerdings für eine private Hochschule entscheidet, muss bekanntlich tief in die Tasche greifen. So kostet der Business Administration Studiengang, der mit einem Bachelor of Arts abschließt, monatlich satte 375 Euro. Da kommen einem die bis dato fälligen Studiengebühren von 500 Euro im Semester doch auf einmal wie Peanuts vor.